WM Favoriten

Deutschland: Kann der Doppel-Champion den Titel verteidigen?
Weltmeister 2023. Europameister 2025. Deutschland geht als das Team in die WM 2027, das in den vergangenen vier Jahren mehr gewonnen hat als jede andere Basketballnation der Welt. Die Frage ist nicht, ob Deutschland zu den Favoriten gehört — die Frage ist, ob jemand dieses Team realistisch stoppen kann.
Die Grundlage ist das Zusammenspiel einer goldenen Generation. Dennis Schröder als Anführer und Taktgeber, Franz Wagner als vielseitigster Scorer, Andreas Obst als einer der besten Distanzschützen im internationalen Basketball, Daniel Theis als Anker unter dem Korb. Dazu eine Bank, die bei der EM 2025 bewiesen hat, dass sie WM-Niveau halten kann, auch wenn die Starter Pausen brauchen. Das System hat sich als turnierfest erwiesen: defensive Intensität, kontrolliertes Tempo, tödliche Dreierquote in entscheidenden Momenten.
Aber es gibt Fragezeichen. Schröder wird 2027 dreiunddreißig sein, Wagner trägt eine wachsende Last in der NBA, und die Verletzungshistorie mehrerer Schlüsselspieler mahnt zur Vorsicht. Kein Team hat seit der Einführung des 32-Teams-Formats den Titel verteidigt — ein statistischer Fluch, der weniger mit Zufall zu tun hat als mit der Realität, dass jedes WM-Turnier seine eigene Dynamik entwickelt und Titelverteidiger häufig mit dem Gewicht der Erwartungen kämpfen. Die Quoten auf Deutschland werden im Bereich von 5,00 bis 7,00 liegen — Value für alle, die an die Konstanz dieser Mannschaft glauben, aber auch ein Preis, der das Risiko bereits einkalkuliert.
Entscheidend wird sein, ob die Generation um Schröder und Wagner 2027 noch auf ihrem Zenit spielt oder ob der natürliche Alterungsprozess bereits seine Spuren hinterlässt. Die EM 2025 hat gezeigt, dass das System auch unter Druck funktioniert. Ob das für eine zweite WM reicht, wird Doha beantworten.
USA: Hungrig nach der Schmach von 2023
Die Niederlage gegen Deutschland im Halbfinale der WM 2023 war ein Schock für das amerikanische Selbstverständnis. 111:113 — und plötzlich stand das beste Basketballland der Welt nicht im Finale. Dass die USA anschließend bei Olympia 2024 in Paris Gold holten, hat das Trauma nur teilweise geheilt.
Für 2027 wird entscheidend sein, welchen Kader USA Basketball zusammenstellt. Bei Weltmeisterschaften schicken die Amerikaner traditionell nicht ihre absolute Bestbesetzung — LeBron James und Stephen Curry spielten in Manila nicht, und auch 2027 wird die Frage sein, ob die NBA-Superstars bereit sind, ihren Sommer für ein FIBA-Turnier zu opfern. Wenn ja, sind die USA der klare Topfavorit mit Quoten um 3,00. Wenn nein, wird es ein junges, talentiertes, aber unerfahrenes Team — und solche Teams haben bei der WM schon öfter enttäuscht, als man denkt. Die USA haben bei den letzten drei Weltmeisterschaften ohne volle Besetzung gespielt, und das Ergebnis war zweimal kein Gold.
Der Kader wird alles entscheiden. Die USA haben die tiefste Spielerbasis der Welt, aber Tiefe allein gewinnt keine Turniere — das hat Manila bewiesen.
Serbien: Jokic und der ewige zweite Platz
Zweiter bei der WM 2023. Zweiter bei Olympia 2024. Serbien ist das Team, das immer nah dran ist, aber nie ganz oben steht.
Um Nikola Jokic, den dreifachen NBA-MVP, hat Serbien einen Kader aufgebaut, der bei jedem Turnier zum engsten Favoritenkreis gehört. Bogdan Bogdanovic im Backcourt, eine Frontcourt-Rotation, die an Tiefe kaum zu übertreffen ist, und eine Basketball-Kultur, die seit Jahrzehnten Weltklasse-Spieler produziert. Das serbische System lebt von halbfeldtaktischer Brillanz, physischer Härte und einem kollektiven Willen, der in der K.o.-Phase gefährlich wird. Trainer Svetislav Pesic hat diesem Team eine Identität gegeben, die über Einzelspieler hinausgeht — ein seltener Vorteil im Nationalmannschaftsbasketball, wo Kader sich ständig ändern.
Die Schwäche: Serbien hat bei den letzten Turnieren in den entscheidenden Spielen die letzten Prozent vermissen lassen. Im WM-Finale 2023 gegen Deutschland fehlte die Kaltschnäuzigkeit in den Schlussminuten, und bei Olympia 2024 war es das gleiche Bild — ein Team, das dominante Halbfinals spielt, aber im Endspiel die entscheidenden Würfe nicht trifft. Ob das ein mentales Problem ist oder schlicht Varianz, darüber lässt sich streiten. Für Wettende bedeutet es: Serbien als Finalist zu tippen ist eine solide Wette. Serbien als Turniersieger zu tippen ist ein Risiko, das die Quoten von 6,00 bis 8,00 aber durchaus wert sein können — vorausgesetzt, Jokic kommt gesund nach Doha.
Frankreich, Kanada, Australien: Die Herausforderer
Hinter dem Spitzentrio gibt es drei Teams, die für eine Überraschung gut sind — und deren Quoten deutlich mehr hergeben als die der Topfavoriten.
Frankreich verfügt mit Victor Wembanyama über das möglicherweise größte Einzeltalent im gesamten Turnier. Der Center der San Antonio Spurs hat das Potenzial, ein Spiel allein zu dominieren — defensiv wie offensiv. Dazu kommen erfahrene FIBA-Spieler wie Rudy Gobert und Evan Fournier, eine starke Trainertradition und ein System, das bei internationalen Turnieren konstant funktioniert. Frankreichs Problem war bislang die offensive Konstanz: Zu viele Spiele, in denen das Team defensiv exzellent, aber offensiv limitiert war. Wenn Wembanyama diesen Knoten löst, sind die Franzosen ein ernsthafter Titelkandidat mit Quoten, die den tatsächlichen Chancen nicht gerecht werden.
Kanada ist das Team mit der steilsten Entwicklungskurve. Bei der WM 2023 erreichten die Kanadier mit NBA-Stars wie Shai Gilgeous-Alexander und Jamal Murray erstmals seit Jahrzehnten die K.o.-Runde, und die Basketball-Infrastruktur hat einen Quantensprung gemacht. Der Kader wird 2027 noch tiefer sein. Die Quoten dürften zwischen 10,00 und 15,00 liegen — attraktiv für Wettende, die an ein Team mit Aufwärtstrend glauben.
Australien bleibt der verlässlichste Herausforderer außerhalb Europas und Nordamerikas. Die Boomers haben bei jeder WM der letzten Dekade unter den besten Acht abgeschlossen, mit einem Kader, der NBA-Erfahrung und FIBA-Klugheit kombiniert. Josh Giddey und eine neue Generation talentierter Guards geben Australien eine offensive Variabilität, die dem Team in der Vergangenheit gefehlt hat.
Der Favorit, der noch keiner ist
Prognosen anderthalb Jahre vor einem Turnier sind Momentaufnahmen, keine Prophezeiungen. Kader ändern sich, Verletzungen verschieben Kräfteverhältnisse, und die Form eines Teams im Sommer 2027 lässt sich heute nicht vorhersagen. Was sich vorhersagen lässt, sind strukturelle Vorteile: Kadertiefe, Systemkonstanz, FIBA-Erfahrung und die Bereitschaft der NBA-Stars, für ihr Land zu spielen.
Deutschland hat all das. Aber das hatten auch andere Teams, bevor ein Turnier sie eines Besseren belehrte. Serbien hat die individuelle Klasse, die USA die Tiefe, Frankreich das generationsdefinierende Talent, Kanada den Hunger. Die Quoten werden sprechen — und wer sie früh liest, wird Wert finden, den der Markt später nicht mehr bietet.
Die WM 2027 wird nicht vom Papier entschieden, sondern auf dem Parkett in Doha. Dort zählt nicht der Name, sondern die Bereitschaft, vierzig Minuten lang alles zu geben. Wer darauf wettet, sollte weniger auf vergangene Titel schauen als auf aktuelle Kader, aktuelle Form und die Frage, welches Team im August 2027 tatsächlich zusammensteht — nicht auf dem Papier, sondern in der Halle.